Erste Griffe an der Orgel

Quelle: Bergische Morgenpost 11.10.2012

Kirchenmusiker Dieter Leibold möchte Kindern die Königin der Instrumente näher bringen. Im „Orgelclub“ können Einsteiger die Klangschönheit erleben und selber ausprobieren. Auch das Interesse an Kirchenmusik wird geweckt.
VON STEFANIE BONA

Remscheid Dieter Leibold, Kantor der Katholischen Pfarrgemeinde St. Suitbertus, kann sich noch gut erinnern und sagt mit ein klein wenig Bedauern: „Ich durfte erst an die Orgel, als ich 14 Jahre alt war.“ Den Kindern in Remscheid möchte er diese Erfahrung frühzeitiger ermöglichen und hat dazu den „Orgelclub“ ins Leben gerufen. In regelmäßigen Abständen treffen sich Jungen und Mädchen auf der Orgelempore, um die „Königin der Instrumente“ kennenzulernen.

„Dabei geht es nicht um Instrumentalunterricht. Der Orgelclub ist ein Angebot für Einsteiger - egal, ob sie schon ein Instrument spielen und Noten können oder nicht“, erklärt der Kirchenmusiker. Ohne Leistungsdruck, den Kinder ab dem Eintritt ins Schulalter ohnehin haben, sollen sie die Klangschönheit und enorme Klangvielfalt der Pfeifenorgel erleben und entdecken. „Sie können einfach kommen, ohne dass es wieder heißt: ,Du musst“, betont Leibold.

2006 hat er die Reihe ins Leben gerufen, fast immer waren die Jungen bei den Teilnehmern in der Überzahl, während im Kinderchor der Gemeinde die Sängerinnen dominieren. „Ich glaube, dass hat mit dem in dem Alter doch größeren Technikinteresse der Jungs zu tun“, sagt der Organist.

Wie Manuale, Pedal, Haupt- und Schwellwerk, Register und Pfeifen zusammenhängen und richtig gespielt wie ein Orchester klingen, ist auch für Dominik, elf Jahre, und den neunjährigen Nick interessant. „Das Tutti mit allen Pfeifen - das finde ich toll“, sagt Nick begeistert zur größtmöglichen Auswahl von gemeinsam spielbaren Registern. Und weil er bereits Verständnis für die Komplexität der Kirchenorgel und ihrer Spieltechnik entwickelt hat, kann er dem neuen Clubmitglied Jana schon einiges erklären.

Dieses Miteinander ist ein pädagogisches Ziel des Orgelclubs. Die Kinder lernen und geben ihre Erfahrungen weiter. So hat Dominik schon einmal seine Schulklasse mitgebracht und stand dann als „Orgel-Experte“ im Mittelpunkt. Ausdrücklich ist es genauso erlaubt, sich selbst am Spieltisch auszuprobieren. Nick weiß schon gut Bescheid und kann auch schon ein Liedchen spielen.

So macht Dieter Leibold auf anschauliche Weise Werbung für das Instrument. Und er freut sich über die Früchte, die seine Bemühungen tragen: „In Remscheid gibt es überdurchschnittlich viele C-Schüler, davon alleine fünf oder sechs aus unserer Gemeinde“, sagt er hinsichtlich der Organisten, die sich auf die Befähigung für den nebenberuflichen kirchenmusikalischen Dienst vorbereiten.

Einen pastoralen Beweggrund gibt es überdies. Viele Kinder haben heute nicht mehr so die Berührung mit einer Kirchengemeinde wie in früheren Zeiten. Durch den Orgelclub werden ihnen Gemeinde, Kirche und Kirchenmusik auf spannende Weise näher gebracht.

Quelle: Bergische Morgenpost vom 11. Oktober 2012

Originalbeitrag in der Bergischen Morgenpost....