Quelle: Bergische Morgenpost vom 30. September 2012

VON STEFANIE BONA
Remscheid Kantaten und Motetten, Gospel und Gregorianik, Fanfarenklänge und Choral, altes und modernes Liedgut - die Palette der Kirchenmusik in ihrer ganzen Vielfalt bestimmte den Abschluss der Stafettenwoche im Evangelischen Kirchenkreis Lennep. Weit über 300 Besucher und Mitwirkende füllten die Lutherkirche beim Kirchenmusikfest, dessen Betonung ausdrücklich auf der Ökumene lag.

In Vorbereitung auf den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 widmet sich die Veranstaltung in diesem Jahr dem Thema „Reformation und Musik“. Die musikalische Stafette wandert durch alle 38 Kirchenkreise der Rheinischen Landeskirche und wurde von Trier nach Lennep und von dort gestern nach Gladbach-Neuss weitergereicht.

Gelegenheit zum Mitsingen
„Doppelt betet der, der singt“, zitierte Kreiskantorin Ruth Forsbach zu Beginn des Abschlusskonzertes den Kirchenvater Augustinus. Und weil Musik in der Tradition von Martin Luther Menschen dort berührt, wo das Wort nicht mehr reicht, gab es mehrmals Gelegenheit zum Mitsingen. So hieß es gleich zu Beginn für die Konzertbesucher: Aufgepasst und mitgemacht! Wurde doch das Michaelislied „Gott, aller Schöpfung heilger Herr“ im Wechsel mal nur mit Frauenstimmen und Orgelbegleitung, mal von allen Männern mit Bläserklang und mal von Gemeinde, Chören und Orchester intoniert. Es sangen und musizierten Frauen und Männer aus dem Evangelischen Kirchenkreis Lennep und dem katholischen Stadtdechanat Remscheid. Die Leitung hatten der Kirchenmusiker Ruth Forsbach, Heidemarie und Markus Fritz, Christoph Spengler, Jörg Martin Kirschnereit und Dieter Leibold.

Als instrumentales Intermezzo erklang eine Orgel-Bearbeitung von Lutherkirchen-Kantor Jörg-Martin Kirschnereit. Potenzial in der Hitparade der neuen Kirchenmusik auf den vorderen Plätzen zu landen, hat das von Margret Wand getextete und Christoph Spengler komponierte Lied „Triffst du einen Engel“, das eigens für den Abschluss der Kirchenmusik-Stafette entstand. Eingängig und intensiv finden sich Wort und Musik zusammen, ein großer gemischter Gospelchor traf für dieses stimmungsvolle Lied genau den richtigen Ton. Einen Moment der Besinnung bot der vom katholischen Kirchenmusiker Dieter Leibold mit seiner Gregorianik-Schola einstudierte Choral.

Superintendent Hartmut Demski hob genauso wie der katholische Stadtdechant, Monsignore Thomas Kaster, die Bedeutung der Kirchenmusik hervor, die in Remscheid in gutem ökumenischem Einklang gepflegt wird. „Dort, wo uns theologische Konstrukte vielleicht noch aufhalten, können wir doch miteinander singen. Ich wünsche uns, dass uns die Lieder nicht ausgehen“, wandte sich Kaster an Mitwirkende und Zuhörer. Und für diese Worte erhielt der katholische Priester in der evangelischen Kirche spontanen Applaus.