Knaup lässt die Orgel jubilieren

VON ULRICH MUTZ

Remscheid Glock sechs schlägt es: die Zeit, an der die Kirchenglocken traditionell zum abendlichen Angelusgebet läuten. Doch an diesem Samstagabend tönt in den Glockenschlag dramatisches c-Moll hinein: eine bevorzugte Tonart des Remscheider Kirchenmusikers Ludger Knaup. In St. Suitbertus eröffnet er damit ein Konzert mit eigenen Orgelkompositionen aus einem Vierteljahrhundert. Vier der insgesamt acht Orgelstücke, die der Organist zum 50. Geburtstag der Klais-Orgel ausgewählt hat, stehen in c-Moll. Wenn ein Kirchenmusiker Kirchenmusik komponiert, dann schreibt er zunächst einmal Gebrauchsmusik für sich selbst - und vor allem für den Gottesdienst. Das ist schon der ersten Fantasie anzuhören, einem klassischen Stück für den Einzug des Klerus. Ein bezeichnender Titel lautet: „Predigt“. Natürlich sind auch zielsicher aufgebaute Orgelnachspiele zu hören - und mit einer zart verhaltenen, sehr sanglichen Romanze ein meditatives Kommunionstück. Als vorletzter Programmpunkt erklingt ein retardierendes Moment vor dem effektvollen Finale.

Aber tragen solche Kompositionen, die deutlich die Handschrift ein und desselben Komponisten erkennen lassen, auch kumuliert, eine geschlagene Stunde lang, in Folge? Gemessen an der Konzentration, mit der die Zuhörer lauschen, und den Ovationen, die sie dem komponierenden Organisten am Ende stehend bereiten, ist die Frage mit Ja zu beantworten. Gute 70 Besucher unterstreichen auch in Zahlen die Wertschätzung, die Knaup sich in den drei Jahrzehnten seines Wirkens in Remscheid erworben hat. Knaups Musik stilistisch ebenso einheitlich wie vielfältig. Natürlich ist Bach ein großes Vorbild für den Kontrapunktiker Knaup, etwa in seinem c-Moll-Prélude oder der frühen „Fughetta Fantasia“, noch aus Aachener Studienzeiten. Knaups Klangvorstellungen sind dagegen an den großen französischen Orgelromantikern geschult. Auch ein Max Reger hätte an dieser Musik wohl seine Freude.

Und natürlich ist der erfahrene Orgelroutinier Knaup ein überlegener und selbstredend authentischer Interpret in eigener Sache. Er tritt so beherzt in die Pedale, wie er in die Manuale der Klais-Orgel greift, und lässt praktisch alle Register des jubilierenden Instruments zum Zuge kommen.

Quelle: Bergische Morgenpost vom 8. Oktober 2012