Mit dieser Orgel lässt sich einiges bewegen

VON STEFANIE BONA
Quelle: Bergische Morgenpost 1. September 2012

Remscheid Dieter Leibold sitzt gerne an der Klais-Orgel in der katholischen Pfarrkirche St. Suitbertus. „Der Klang ist sehr transparent. Man kann die einzelnen Register sehr gut hören“, sagt der Kantor, der seit 2006 für die Kirchenmusik der Gemeinde verantwortlich ist. In diesem Jahr wird das kostbare Instrument 50 Jahre alt.

Beim Bombenangriff auf Remscheid im Juli 1943 wurde der Kirchturm getroffen, eine Glocke fiel herab und zertrümmerte die alte Orgel. „Danach bestimmte 19 Jahre lang ein alterschwaches Harmonium die Kirchenmusik“, hat Dieter Leibold aus Zeitungsartikeln jener Tage und auch durch Zeitzeugenberichte aus den Reihen der Seniorenkantorei der Gemeinde erfahren. Leibold imponiert besonders, dass die neue Orgel in schwierigen Zeiten angeschafft wurde.

Als die Gemeindeglieder nach dem Krieg selbst nicht viel hatten, wurde dennoch gemeinsam die Finanzierung einer neuen, dreimanualigen Orgel gestemmt - immerhin zu einem Preis von 109 528,87 Mark. Auch Remscheider Firmen leisteten ihren Beitrag. Der Orgelbauer Klais erhielt den Auftrag und verewigte sich mit der Aufschrift „Opus 1236, Johannes Klais, Orgelbau Bonn“ auf dem Instrument, das zu den größten Kirchenorgeln in ganz Remscheid zählt. Damit ist die Orgel das 1236. Instrument aus der bis heute national und international tätigen Orgelbauwerkstatt Klais.

Die Planungen für den Einbau, mit dem 1962 begonnen wurde, dauerten drei Jahre. Für die neue Orgel wurde eigens eine Empore gebaut. Die Klais-Orgel in St. Suitbertus hat rund 2700 Pfeifen - die größte ist fünf Meter lang - und 33 Register. Darunter sind ganz ausgefallene, wie das Register „Holzregal“, mit dem sich besonders schön Barockmusik interpretieren lässt. „Das Register Stabspiel klingt wie kleine Glöckchen“, erklärt Leibold und spielt ein paar Töne an.

Eine weitere Besonderheit sind die horizontal hängenden „spanischen Trompeten“. Die Pfeifen stehen nicht wie üblich in der Orgel, sondern ragen in den Raum hinein und sorgen für festliche Fanfarenklänge. Ein Relikt aus alter Zeit ist die Traktur mit Stahlseilen, die hin und wieder nachgestellt werden müssen. Die Verbindung von der Taste zum Pfeifenventil ist also mechanisch. Damit überträgt sich der Ton ohne Verzögerung. „Mit dieser Orgel lässt sich musikalisch einiges bewegen“, lobt der Kantor. Und durch ihre Größe sei es quasi ein Muss, sie nicht nur zur Begleitung im Gottesdienst, sondern auch in Konzerten zu spielen.

Bei guter Pflege, so denkt er, kann das Instrument gut und gerne auch die nächsten 50 Jahre in St. Suitbertus erklingen. Zumal sich heutzutage kaum noch eine Kirchengemeinde eine neue Orgel leisten könne. „Beim aktuellen Preisniveau würde man bestimmt 700 000 Euro dafür bezahlen müssen“, rechnet Leibold vor.

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